»Wir haben kurz geguckt und dann losgelegt«
Main-Echo Pressespiegel

»Wir haben kurz geguckt und dann losgelegt«

Ersthelfer: Nach einem schweren Lastwagenunfall bei Wiesen leisten zwei Männer entscheidende Hilfe
Wiesen  Zwei Män­ner ha­ben am Frei­tag­früh ei­nem 54-jäh­ri­gen Last­wa­gen­fah­rer nach ei­nem schwe­ren Un­fall auf der Staats­stra­ße 2305 bei Wie­sen ver­mut­lich das Le­ben ge­ret­tet. Nach ei­nem Über­schlag in ei­nem Last­wa­gen war sein Arm un­ter dem schwe­ren Fahr­zeug ein­ge­k­lemmt - die zu­fäl­lig vor­bei­kom­men­den Hel­fer be­hiel­ten die Ner­ven und be­f­rei­ten ihn mit ei­nem sim­p­len Wa­gen­he­ber so­wie Hol­zäs­ten aus dem Wald.

So lässt sich das Handeln der beiden Ersthelfer Eric Meyer aus Wiesen und Marc Bühner aus der Rhön zusammenfassen. Dabei steckt soviel mehr dahinter. Mut zum Handeln und zur Entscheidung und die Bereitschaft, sich für denjenigen einzusetzen, der Hilfe braucht.

Meyer war an diesem Vormittag mit seinem Fahrzeug auf der Straße unterwegs, als er zu dem Unfall kam. Mehrere Fahrzeuge vor ihm hatten bereits einen Stau gebildet. Meyer ist erfahrener THW-Helfer und zögerte nicht. Er stieg aus seinem Auto aus und fragte die vor ihm stehenden Fahrzeuglenker, ob sie wüssten, was passiert sei. Niemand wusste etwas, aber es stieg auch sonst niemand aus, um zu schauen, was los ist, berichtet er. Beim Lkw angekommen, traf zeitgleich auch Marc Bühner mit seinem Traktor am Unfallort ein.

Bühner war zu dem Zeitpunkt mit Wegepflege im Wald beschäftigt. Das hatte ein Autofahrer aus anderer Fahrtrichtung mitbekommen, und sich entschieden, ihn zur Hilfe zu rufen. Der Autofahrer war dann nicht mehr aufzufinden und auch die Autos aus dem Stau vor dem Unfall hatten zwischenzeitlich abgedreht, erzählt Meyer.

Meyer und Bühner waren zwei Fremde, hatten sich nie im Leben vorher gesehen, aber sie handelten, als seien sie seit eh und je ein Team. Beide überblickten die Lage, sprachen sich kurz ab und entschieden die Handlungsstrategie.

Gleichzeitig war eine Autofahrerin an der Unfallstelle. Weil es dort keinen Handyempfang gibt, fuhr sie fort, um den Notruf abzusetzen. Etwa ein Zeitfenster von zehn bis zwölf Minuten hatten die Männer für ihre Ersthelfermaßnahme. Der Lkw lag auf der Beifahrerseite und der Arm des Fahrers war unter dem Holm der Beifahrerseite eingeklemmt. Er klagte über starke Schmerzen und blutete.

Meyer gab Bühner Räuberleiter, damit dieser auf das Führerhaus klettern und mit dem Unfallopfer sprechen konnte. Unterdessen holte Meyer seinen Wagenheber aus seinem Ford Ranger. Gemeinsam setzten sie den Wagenheber an. Es gelang ihnen, die Führerkabine des Lkw so weit anzuheben, dass sie Äste zur Stabilisierung unterschieben und den Arm des Mannes befreien konnten. Hätte das nicht geklappt, hätte Bühner versucht, den Lkw mit dem Frontlader seines Traktors anzuheben, berichtet er.

Für beide Männer war es eine Selbstverständlichkeit zu helfen. »Wir haben kurz geguckt und dann losgelegt«, beschreibt es Bühner. Für Meyer ist »Wegschauen das Schlimmste, was man machen kann«, sagt er und ergänzt, hätte er nicht gehandelt, damit hätte er nicht leben können.

Dank der Frau, die den Notruf abgesetzt hatte, waren die Rettungskräfte nur zwölf Minuten später vor Ort. In diesem kurzen Zeitfenster haben Bühner und Meyer entscheidende Hilfe geleistet.

Zum Gesundheitszustand des verletzten Fahrers gibt es auf Nachfrage unseres Medienhauses bei der Polizei noch keine Neuigkeiten.

21.05.2024
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